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Schwerpunktthema: Religion

Religionskritik ist mir als radikalem Atheisten immer ein Herzensanliegen gewesen. Und als wir 1979 mit der schwulen Emanzipationsbewegung begannen, waren wir ja auch sofort mit dem politischen Christentum bzw. dem politischen Katholizismus konfrontiert. Zwei Auswüchse dieses politischen Katholizismus geißle ich in meiner Kolumne in der Ausgabe 2/1988 („,Rückfallstäter’ Kirche“) – die katholische Kirche in Österreich verhinderte die Reform des § 209 StGB und wollte unbedingt Ehe und Familie in der Verfassung verankern – und in der Ausgabe 4/1992 („Katholische Kirche bereitet schwul/lesbisches Rostock vor“): Ein Schreiben der Glaubenskongregation des Vatikans sorgte für Aufregung. Darin wird unverblümt dazu aufgerufen, sich in die weltliche Politik einzumischen und Gesetzesreformen zugunsten Homosexueller zu torpedieren. Mehr als 25 Jahre später darf man zufrieden feststellen: Damit ist die römisch-katholische Kirche grandios gescheitert.

In meinen frühen Kolumnen beschäftige ich mich daher vorwiegend mit der römisch-katholischen Kirche und ihren Skandalen, etwa rund um Kardinal Hans Hermann Groër (1919–2003), z. B. in den Ausgaben 1/1987, 2/1998 („Katholische Kirche am Boden: Nützen wir die Chance!“) und 3/1998 („Groër deportiert“).

Groër war aber nicht der einzige verhaltensauffällige Bischof in Österreich, der in den 1990ern und den Nullerjahren ständig für Aufsehen sorgte. Durch ihre reaktionären Aussagen fielen vor allem Kurt Krenn

 

(1936–2014) oder Georg Eder (1928–2015) auf – letzterer zum Beispiel durch peinliche Aussagen zu AIDS und Homosexualität, für ihn war aber auch „die politisch gesteuerte Bewegung der unfruchtbaren Homo-Ehe“ ein ursächlicher Grund für die 9/11-Terroranschläge in den USA, was ich in der Ausgabe 4/2001 („Kriegsgewinnler“) nicht unkommentiert lassen konnte.

Ein anderer berüchtigter Bischof, Andreas Laun (* 1942), kam bei mir zu keinen Kolumnenehren in den LN, aber in einem Kommentar der anderen im Standard vom 23. November 2004 („Fundamentalismus ist überall“) habe ich auf ihn Bezug genommen. Laun ist in all den 40 Jahren ständiger, treuer und enger Begleiter der Schwulen- und Lesbenbewegung gewesen. Schon 1977 (28. 3.) saß er im allerersten Club 2 zum Thema Homosexualität als Diskutant in der Runde, später (6. Juli 2004) auch mit GUDRUN HAUER in der ORF-Philosophicum-Sendung zum Thema „Schwulenehe – warum nicht?“. Jahrzehntelang predigte er gegen Homosexualität, unterstützte Heilungsseminare, und 2018 sorgte er noch einmal für Schlagzeilen, als er meinte, man könne eine homosexuelle Verbindung nicht segnen, denn den Segen Gottes könne man für Sünder, aber nicht für die Sünde erbitten. Also könne man kein Bordell einweihen, auch kein KZ oder Waffen segnen, die nicht ausschließlich zur Jagd oder zur legitimen Verteidigung bestimmt seien. Diese Besessenheit spricht wohl Bände – Laun war 1995 nicht zufällig auf meiner Outing-Liste.

Von Beginn an war die schwul/lesbische Emanzipationsbewegung mit dem politischen Katholizismus konfrontiert.

Islamkritik

Später verlagerte sich meine Kritik hin zum Islam, zumal dieser die öffentliche Diskussion immer mehr zu dominieren begann. In diesem Zusammenhang prangerte ich auch immer wieder das Verhalten der Linken an, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen Auswüchse religiösen Wahns, die sie bei christlichen Religionen nie und nimmer durchgehen lassen würden, ohne jede Rücksicht auf die Menschenrechte beim Islam sogar noch verteidigen – so etwa in der Ausgabe 2/2008 („Berufsschwuchteln, Kinderschänder und das Recht auf Meinungsfreiheit“), in der Ausgabe 4/2012 („Sadistische Religionsausübung“) oder in der Ausgabe 1/2015 („Islam(isten)-VersteherInnen“) als Reaktion auf den terroristischen 

Überfall auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo.

Nicht als Glosse, sondern als redaktioneller Beitrag erschien ein ausführlicher Artikel von mir über die Anzeige der HOSI Wien gegen u. a. die russisch-orthodoxe Kirche im Oktober 2012 und die heftige Kritik einen Monat später an der Gründung des König-Abdullah-Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog (KAICIID) in Wien: „Religionen wittern Morgenluft – Kirchen in die Schranken weisen!“ in den LN 5/2012.

Nicht in den LN, sondern in der Online-Zeitschrift Glocalist Review habe ich im Februar 2006 einen islamkritischen Kommentar zu den dänischen „Mohammed-Karikaturen“ veröffentlicht.