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Botschaftsbesetzung

Am 23. März 2000 verschafften sich vier beherzte HOSI-Wien-AktivistInnen, nur mit einer Himbeer-Bombe von der Aïda bewaffnet, Zutritt zur portugiesischen Botschaft im Opernringhof in Wien, um diese friedlich zu besetzen. Mittlerweile legte die HOSI Wien keinen Wert darauf, solche provokanten und grenzüberschreitenden Aktionen auszulagern. Sie hatte sich voll und ganz dem Widerstand gegen die erste schwarz-blaue Regierung verschrieben. Neben den altgedienten Rosa-Wirblern ALFRED GUGGENHEIM und mir, die seinerzeit schon das Büro von ÖVP-Ministerin Marilies Flemming besetzt hatten (siehe Beitrag über den Rosa Wirbel hier), war diesmal durch BEATRIX KOZIOL und BRIGITTE ZIKA-HOLOUBEK frisches aktionistisches Blut mit von der Partie.

Die Vertretung Portugals wurde ausgewählt, weil das Land im ersten Halbjahr 2000 den EU-Ratsvorsitz führte und zu dem Zeitpunkt gerade der EU-Gipfel in Lissabon begann.

Es war einmal mehr eine lustvolle Aktion: Die drei Sonderpolizisten, die herbeigerufen wurden, waren etwas überrascht, vier biedere Herr- und Frauschaften in zum Teil bereits reiferem Alter vorzufinden, und fragten uns treuherzig, wo denn die Besetzer seien. Offenbar hielten sie uns für Botschaftsangestellte. Es war wirklich grotesk-komisch. Es gelang uns jedenfalls, zwei Stunden Zeit herauszuschinden, um die Medienarbeit über die Bühne zu bringen.

Sofort nach Beginn der Aktion waren unsere portugiesischen Freunde von der Gruppe Opus Gay ebenso verständigt worden wie die Austria Presse Agentur. Opus Gay unterrichtete umgehend die portugiesischen Medien, und nicht einmal eine Stunde später gab ich einem portugiesischen Radiojournalisten das erste Interview. Mehrere Medienvertreter riefen uns am Handy an, um sich über den Fortgang der Besetzung zu informieren.

Danach machte es nicht wirklich Sinn, länger zu bleiben. Der Botschafter hatte angeboten, uns am Nachmittag zu empfangen. Wir nahmen daher das Angebot an, denn wir wollten ja die Portugiesen nicht verärgern. Und so verließen wir die Konsulatsräumlichkeiten nach zwei Stunden friedlich. Ein Reporter von FM 4 wartete bereits, und so gingen wir noch auf ein Interview ins Café Museum. Immerhin berichteten auch die Wiener Zeitung, täglich alles, der Kurier sowie Privatradiosender und portugiesische Medien über die Aktion.

Am Nachmittag fand dann ein 40-minütiges Gespräch mit dem portugiesischen Botschafter statt. Wir erklärten ihm, dass die Aktion sich in keiner Weise gegen Portugal richtete. Vielmehr ginge es uns um die Unterstützung der portugiesischen Regierung bei der Durchsetzung der Menschenrechte von Homosexuellen in Österreich. Zentrales Anliegen war, die Aufhebung der damals von den EU-14 verhängten bilateralen Maßnahmen gegen die schwarz-blaue Regierung an die Aufhebung des § 209 StGB zu knüpfen. Was letztlich leider nicht gelang. Über diese Aktion und den Widerstand der HOSI Wien berichtete ausführlich die LN-Ausgabe 2/2000.

 

Im Rahmen des Widerstands gegen Schwarz-Blau besetzen F. BEATRIX KOZIOL, ALFRED GUGGENHEIM, BRIGITTE ZIKA-HOLOUBEK und ich – nur mit einer Himbeerbombe von der Aïda bewaffnet – für zwei Stunden die Botschaft Portugals in Wien, um das damalige EU-Vorsitzland davon zu überzeugen, beim Druck auf die schwarz-blaue Regierung nicht nachzulassen.

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