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Eurovision Song Contest

Schon in den 1990er Jahren galt der Grand Prix d’Eurovision de la chanson als ziemlich schwule Angelegenheit. Auch ich bin ein großer Fan des Eurovision Song Contest (ESC), wie er später zu heißen begann. Bei mir war es ja umgekehrt: Viele Schwule sind im Laufe ihres Lebens Fans geworden, weil sie schwul sind. Ich hingegen habe schon mit zehn Jahren, 1969, erstmals den Grand Prix im TV gesehen und bin danach (deswegen?) schwul geworden. Allerdings bin ich kein echter Hard-Core-Fan, dafür hatte ich nie wirklich Zeit. Aber ich habe nach 1969 keinen ESC mehr im Fernsehen versäumt.

Als 1997 erstmals ein offen schwuler Interpret – Páll Óskar für Island – antrat, verfasste ich dazu einen Beitrag in den LN 3/1997. Darin ging ich auch der Frage nach, warum der ESC schwule Männer so fasziniert, und outete mich als Fan, was damals nicht so cool war. Man genierte sich damals (auch als Schwuler) noch dafür, dass man am ESC Gefallen findet.

2009 kreuzten sich meine schwulenpolitischen Agenden mit meiner Vorliebe für den ESC, als dieser in Moskau ausgetragen wurde. Ich war als HOSI-Wien- und EPOA-Vorstandsmitglied zum vierten Mal in die russische Hauptstadt gereist, um einmal mehr am Versuch, eine Pride-Parade abzuhalten, teilzunehmen. Sie wurde absichtlich am Tag des ESC-Finales angesetzt. Ich berichtete ausführlich für die LN in der Ausgabe 4/2009.

Zufällig gelang es meinem Gastgeber ALBERTO VOLPATO, über einen russischen Freund auf dem Schwarzmarkt noch Karten für das Finale zu ergattern. Es war das erste Mal, dass ich live in der Halle einem ESC beiwohnte. Das sollte dann für mich zur Tradition werden: Seither habe ich jedes Jahr zumindest ein Halbfinale, ein Finale oder zumindest eine Generalprobe live in der Halle miterlebt – in Oslo, Düsseldorf, Baku, Malmö, Kopenhagen, Wien, Stockholm, Kiew, Lissabon und Tel Aviv.

Da für die LN mit JAN FEDDERSEN ohnehin einer der kompetentesten Fachjournalisten über den ESC berichtete, griff ich dieses Thema eher selten auf. Eine Ausnahme machte ich in den LN 4/2007, als es große Aufregung nach dem ESC in Helsinki gab: Dank Televoting kamen neun der zehn Beiträge, die vom Semifinale ins Finale aufstiegen, aus Osteuropa. Der zehnte war der türkische. Im Finale waren unter den zehn besten, die sich damit für einen Fixstart im Folgejahr qualifizierten, außer Griechenland und der Türkei ebenfalls nur osteuropäische Länder. Ich analysierte die Ursachen dafür. Hauptgrund: Diaspora-Voting.

Den 57. ESC in Baku im Mai 2012 nahm ich wiederum als Vorwand für eine Reise in die drei Kaukasus-Republiken Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Für die LN 3/2012 verfasste ich einen ausführlichen Reisebericht, in dem ich auch meine Eindrücke vom europäischen Wettsingen im Land des Feuers schilderte.

2015 fand dann der ESC dank Conchita Wurst nach 1967 zum zweiten Mal in Wien statt. In den LN 2/2015 widmete ich meine Kolumne diesem Ereignis, und ich rezensierte ausführlich drei einschlägige Bücher, die rechtzeitig zu diesem Anlass erschienen waren.