Biografisches

Mein Privatleben ist wohl nicht besonders interessant, aber ganz weglassen will ich es auf dieser Website auch nicht. Speziell ein paar für meine „politische“ Entwicklung und Biografie bedeutsame Ereignisse und Daten seien daher an dieser Stelle berichtet.

 

Politische Sozialisierung

Politisch war ich eigentlich immer links eingestellt – nicht (nur), weil ich aus einer Arbeiterfamilie stamme, sondern weil ich mich bereits als Jugendlicher sehr für Politik interessiert habe. Warum, kann ich eigentlich nicht sagen. Und es ist ja ein Henne-Ei-Problem: War das Interesse zuerst da? Oder die Beschäftigung mit Themen, die dann mein politisches Interesse geweckt haben? Auf jeden Fall war es eine glückliche Fügung des Schicksals. In der Handelsakademie hatte ich zudem eine Klassenkameradin aus der Mädchenclique, mit der ich als einziger Bursch immer abhing (speziell bei der täglichen Schulfahrt zwischen Gloggnitz und Wiener Neustadt). Sie hatte die Volksstimme abonniert – die KPÖ-Zeitung erschien damals noch als Tageszeitung! Und die borgte ich mir immer in den Pausen aus. Das war natürlich eine andere Lektüre als die Gratis-Krawallblätter, die heute konsumiert werden. Und beim ORF war in jener Zeit – Mitte der 1970er – Otto Oberhammer Generalintendant. Ich finde, diese Ära wird total unterschätzt. Für meine politische Bewusstseinsbildung war sie ebenfalls nicht unwesentlich. Der legendäre Club 2 wurde damals ins Leben gerufen, und es gab etliche kritische Magazinsendungen. Oder Ö3 – das war ein völliger anderer Sender als heute, damals gab es Formate wie die Musicbox.

Die 1970er Jahre, die goldene Kreisky-Ära, waren überhaupt eine spannende Zeit des Aufbruchs und des Wandels, wovon ich persönlich in mehrfacher Hinsicht dramatisch profitiert habe. Durch die sozialpolitischen Reformen Bruno Kreiskys (u. a. Gratis-Schulbücher, freie Schulfahrt, kostenloser Zugang zum Universitätsstudium, Studienbeihilfe etc.) konnte ich ohne große Belastung für meine Eltern aufs Gymnasium gehen, maturieren und – ebenso wie meine beiden Schwestern – studieren. Ein Jahrzehnt früher wäre das wohl nicht so leicht möglich gewesen, wenn überhaupt.

Meine Generation war auch die erste, die dank der Strafrechtsreformen Christian Brodas ihre Homosexualität – das Totalverbot wurde ja erst 1971 aufgehoben! – ausleben konnte, ohne dass sie von Strafverfolgung und Gefängnis bedroht war. Ich war also ein sehr früher Nutznießer unerhörter politischer Fortschritte. Speziell aus diesen beiden Gründen (aber nicht nur) werde ich Kreisky in der Tat ewig dankbar sein. Als er 1990 starb, war es mir ein aufrichtiges Bedürfnis, an seinem im Parlament aufgebahrten Sarg vorbeizugehen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, und mich ins Kondolenzbuch einzutragen. Etwas, was ich später nur mehr nach dem Tod Barbara Prammers tat, die eine große Vorkämpferin für lesbisch/schwule Gleichberechtigung war.

Schon im Schulalter war mir klar, dass die konservative ÖVP die Gegnerin fortschrittlicher Reformen war. Diese Einschätzung hat sich in den 40 Jahren meines Engagements in der Lesben- und Schwulenbewegung immer mehr verfestigt, denn die ÖVP hat bis zum heutigen Tag konsequent und ideologisch total verbissen alles getan, um jeglichen Fortschritt für Lesben und Schwule zu verhindern.

Ja, für die ÖVP habe ich eigentlich nur Verachtung übrig. Meine Abrechnung mit ihr habe ich bereits 1999 gemacht, als ich in den LN 4/1999 mein persönliches Resümee über meine ersten 20 Jahre im Kampf um gleiche Rechte zog (und auch in einem Kommentar in den LN 2/2001). Die ÖVP hat sich auch seither diesbezüglich überhaupt nicht geändert (sieht man von der Zustimmung zur eingetragenen Partnerschaft unter Josef Pröll ab), wodurch auch ich unversöhnlich bleibe. Ich würde mir eher die Hand abhacken lassen, als jemals auf einem Stimmzettel mein Kreuz bei der ÖVP zu machen. Wer jetzt meint, ich übertreibe maßlos, möge bitte auf dieser Website die Berichte und Chroniken über den langen Kampf für die Strafrechtsreform, die eingetragene Partnerschaft und den gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung lesen! Und die allgemein demokratiepolitisch bedenkliche Rolle der ÖVP in den letzten 40 Jahren fasse ich in der Einleitung zu meinen innenpolitischen LN-Kolumnen zusammen.

Und so schätze ich mich wirklich überglücklich – welch unermessliche Gnade der Geburt! –, dass ich in meiner Jugend noch eine Zeit ohne ÖVP in der Bundesregierung erleben durfte. Ich bedauere alle nach 1986 Geborenen, die diese Erfahrung bis heute nicht machen durften. Und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als eine solche Zeit einer ÖVP-freien Bundesregierung vor meinem Tod noch einmal erleben zu dürfen.

(Anmerkung 13. Juni 2019: Dass mein Wunsch jetzt so schnell – einen guten Monat nach Veröffentlichung dieses Textes – in Erfüllung gegangen ist, hat auch mich sehr überrascht.)

 

Schule

Aber zurück zur Schule: Dort war ich zwar unangepasst (aber das war man ja damals bald einmal) und kritisch, aber nicht pubertär rebellisch. Ungerechtigkeit hat mich schon damals aufgeregt. Da ich aber ein guter Schüler war, war das kein allzu großes Problem, wiewohl ich im Gymnasium und in der HAK in manchem Jahr als Betragensnote nur ein „genügend“ oder ein „zufriedenstellend“ im Jahreszeugnis bekam.

 

Austritt aus der römisch-katholischen Kirche

Meine politische Bewusstwerdung ging mit einer sehr kritischen Haltung zu Religionen im allgemeinen und zur römisch-katholischen Kirche im besonderen einher. Mit 17 trat ich aus der Kirche aus.

 

Untauglich fürs Bundesheer

Meine Untauglichkeit fürs Bundesheer ist homo-politisch ebenfalls relevant. Als ich 1979 zur Musterung kam, war ich tauglich. Ich stellte einen Antrag auf Ableistung von Zivildienst. Damals musste man als Wehrdienstverweigerer seine Gewissensgründe noch vor einer Kommission glaubwürdig darlegen. Vor dem Termin bei der Zivildienstkommission las ich zufällig im KURIER, dass Homosexualität ein Untauglichkeitsgrund sei. Ich beantragte daraufhin eine Nachmusterung, um wegen meiner Homosexualität für untauglich erklärt zu werden und mir damit auch die acht Monate Zivildienst zu „ersparen“. Wiewohl ich sicherlich als Schwuler überzeugend war, versuchte die Stellungskommission mich „einzuschüchtern“ – meine Homosexualität würde aktenkundig, ebenso meine Untauglichkeit; ich würde dann nie eine Stelle im öffentlichen Dienst bekommen, weil ich ja meine Untauglichkeit und die Gründe dafür offenlegen müsste. Das war mir aber egal, ich wollte mir einfach den Zivildienst ersparen. Und so wurde ich bei der Nachmusterung schließlich wegen Homosexualität für untauglich erklärt. Ich hatte den Spieß umgedreht und die Diskriminierung in einen Vorteil für mich verwandelt.

 

HIV-Infektion

Ich vermute sehr stark, mich im Juli 1982 in den USA mit HIV angesteckt zu haben. Über meine Infektion weiß ich seit Anfang 1985 Bescheid, da ich an der anonymen Durchseuchungsstudie teilnahm, die die HOSI Wien damals mitorganisierte. In den ersten 16 Jahren meiner Infektion habe ich mich einer schulmedizinischen Behandlung entzogen. Ich fühlte mich gesund und fit und verzichtete bewusst auf die ersten Medikamente, die auf den Markt kamen – und die sich später ohnehin als ziemlich unwirksam herausstellten. Dann allerdings verschlechterte sich mein Zustand, die Zahl meiner T-Helferzellen fiel auf 160. Da war es natürlich höchste Zeit für eine Therapie, die ich schließlich im Juni 1998 begann. Die „neuen“ Medikamente riefen zwar noch unangenehme Nebenwirkungen hervor, aber mit meinen CD4-Zellen ging’s wieder bergauf. Im Laufe der Zeit wurden die Medikamente immer besser. Und so lebe ich mittlerweile seit 37 Jahre mit HIV – was zu hoffen in den 1980er und 1990er Jahren eher ziemlich verwegen gewesen wäre.

 

Partnerschaften

Ich hatte in meinem Leben insgesamt drei „Beziehungen“ bzw. Partnerschaften, die ich als solche bezeichnen würde, und alle drei waren für meine schwulenpolitische Arbeit sehr wichtig:

Sten Rosted Hansen

Reinhardt Brandstätter

Peter Scheucher

Seit 1996 bin ich Single.

 

Hobbys

Für Hobbys hatte ich all die Jahre wenig Zeit, und so gibt bzw. gab es eigentlich nur zwei: Reisen und Motorradfahren.