Seite wählen

Aus LAMBDA-Nachrichten NR. 1/2005

25 Jahre HOSI Wien – Jubiläumsfest im Rathaus

VON CHRISTIAN HÖGL

Die rund 500 Festgäste füllten die Volkshalle im Wiener Rathaus...

...und wurden von den HOSI-Wien-Obleuten BETTINA NEMETH und CHRISTIAN HÖGL begrüßt.

Später schnitten sie auch gemeinsam die große Geburtstagstorte an.
Mehr Fotos in der Galerie am Ende dieses Beitrags – bitte, ganz nach unten scrollen.

Was braucht man für ein rauschendes Jubiläumsfest? Ein gediegenes, stimmungsvolles Ambiente. Ein abwechslungsreiches amüsantes Programm. Prominente Gäste. Und möglichst viel gut gelauntes Publikum. Diese Bedingungen waren zur Gänze erfüllt, als die HOSI Wien zum Höhepunkt ihrer Jubiläumsfeierlichkeiten am 29. Oktober 2004 zu einem großen Fest ins Wiener Rathaus lud. Das Büro des Bürgermeisters hatte für diesen Anlass die Volkshalle unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Im dicht gedrängten Showprogramm, das von DIETER SCHMUTZER und „Präsidentin“ SABINE charmant moderiert wurde, traten der schwule Chor la Lumpur, die Kunstpfeiferin Jeanette Baronesse Lips von Lipstrill, die HOSIsters, Gloria und Marlene, Murielle mit Pianist Paul Hille sowie Alfons Haider auf.

Den Ehrenschutz zu dieser Jubiläumsfeier hatte Bundespräsident Heinz Fischer übernommen, das Ehrenpräsidium bestand aus der Zweiten Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und Bürgermeister Michael Häupl. Prammer hatte es sich nicht nehmen lassen, auch persönlich am Fest teilzunehmen. Sie richtete einige Worte ans Publikum und überreichte den Obleuten der HOSI Wien, Bettina Nemeth und Christian Högl, als Zeichen ihrer Wertschätzung für die langjährige Arbeit des Vereins ein kleines Geschenk.

Als prominente Gratulantinnen fanden sich auch Stadträtin Sonja Wehsely, Nationalratsabgeordnete ULRIKE LUNACEK und LiF-Gründerin Heide Schmidt auf der Bühne ein. Zwischen den Ansprachen und den Showeinlagen wurde in drei Teilen ein Zusammenschnitt von Video- und Bildmaterial aus dem HOSI-Wien-Archiv eingespielt, ein eindrucksvoller Überblick im Schnelldurchlauf über einige der Ereignisse und vielfältigen Aktivitäten eines Vierteljahrhunderts österreichischer Lesben- und Schwulenbewegung.

Zum Ende des ersten Showblocks wurde eine riesige Geburtstagstorte hereingefahren, und alle stimmten ein fröhliches „Happy Birthday“ an, bevor die Obleute gemeinsam die Torte anschnitten. Die Disco Why Not, die ebenfalls ihr 25-Jahr-Jubiläum feiert, hatte sich an den Kosten der Torte beteiligt. Weitere finanzielle Unterstützung für das Fest kam von den Grünen andersrum und der SoHo, als Hauptsponsor konnte Taxi 31300 gewonnen werden, das auch ein komfortables Taxiservice für aufbrechende Gäste anbot.

Die etwa 500 Anwesenden, darunter viele aktive und ehemalige AktivistInnen, WegbegleiterInnen und FreundInnen, amüsierten sich blendend, und einige von ihnen hielten bei DJ Kaytels Musik bis zur „Sperrstunde“ um drei Uhr früh durch.

 

Das erste Vierteljahrhundert

Wichtige Erfolge, Meilensteine und Highlights – Zusammenfassung des bisher Geleisteten und Erreichten

 
Politik
  • Aufhebung der vier Sonderparagraphen im Strafrecht (1989: § 210; 1996: §§ 220 und 221; 2002: § 209)
  • Streichung der Krankheitsdiagnose „Homosexualität“ aus dem österreichischen Diagnoseschlüssel (1991)
  • Anerkennung von „sexueller Orientierung“ als Verfolgungsgrund in drei Gesetzen über die Schaffung von Entschädigungsfonds für Opfer des Nationalsozialismus: Nationalfonds 1995, Versöhnungsfonds 2000, Allgemeiner Entschädigungsfonds 2001
  • Gesetzlicher Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in der Arbeitswelt durch das Gleichbehandlungsgesetz und Bundesgleichbehandlungsgesetz 2004
  • Zahlreiche Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen im Rahmen der Begutachtungsverfahren
  • Anhörungen im Parlament (z. B. Justiz-Unterausschuss 1995, Österreich-Konvent 2003)
  • Betreuung einer Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte: historisches Urteil zugunsten gleichgeschlechtlicher LebensgefährtInnen betreffend Mietrecht (2003)
  • Tausende Kontakte zu PolitikerInnen, hunderte persönliche Gespräche
  • Hunderte Aktionen (darunter auch zahlreiche „direct actions“) – z. B. Teilnahme an Demonstrationen, Proteste bei Veranstaltungen und Pressekonferenzen, Besetzung eines Ministerinbüros (Welt-AIDS-Tag 1988), internationale Kampagne gegen die Wahl Walter Schwimmers (ÖVP) zum Generalsekretär des Europarats (1998/99), Besuch bei den drei EU-Weisen in Heidelberg anlässlich der Maßnahmen der EU-14 gegen die Bundesregierung (2000), kompromisslose Beteiligung am Widerstand gegen Blau-Schwarz u. v. a. m.
  • Anbringung des weltweit ersten Gedenksteins für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus (ehemaliges KZ Mauthausen 1984)
  • Seit 1989 federführend im Kampf um die rechtliche Anerkennung und Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, u. a. zwei aufsehenerregende „Aktionen Standesamt“ (1989 und 1994

 

Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Tausende Medienkontakte
  • Hunderte Presseaussendungen, hunderte Interviews für Printmedien, Radio und Fernsehen im In- und Ausland
  • Seit 1979 26 Jahrgänge der LAMBDA-Nachrichten, bisher 103 Ausgaben
  • Hunderte Artikel und Beiträge für andere Medien verfasst
  • Fünf Bücher herausgegeben
  • Seit 1996 Internet-Auftritt – derzeit Betreuung folgender Websites: www.hosiwien.at, www.lambdanachrichten.at, www.ausdemleben.at, www.namesproject.at
  • Seit 1998 HOSI-Lesbenradio – monatliche Sendung auf Radio Orange 94.0
  • Hunderte Teilnahmen an und Auftritte bei Veranstaltungen und wissenschaftlichen Tagungen im In- und Ausland
  • 1982 erstmals öffentliche Veranstaltung zum Christopher Street Day; 1984 erste CSD-Demo durch die Wiener Innenstadt; etliche Jahre Mitveranstaltung der „Warmen Wochen“; seit 1996 Teilnahme an der Regenbogen-Parade, seit 2003 Organisation derselben.

 

Internationales
  • Seit 1981 äußerst aktives Mitglied der International Lesbian and Gay Association (ILGA) und ihrer Arbeitsgruppen (Europarat/KSZE; EG; AIDS), 1986-92 stellvertretendes ILGA-Aktionssekretariat
  • 1982-90 Betreuung des ILGA-Informationspools für Osteuropa (EEIP), jährliche Berichte verfasst
  • Für die ILGA zwei Weltkonferenzen (1983, 1989), eine Regionaltagung für Ost- und Südosteuropa (1993) ausgerichtet, für die ILGA-Europa drei Seminare veranstaltet (1999, 2000, 2001)
  • Drei Jahre den ILGA-Generalsekretär gestellt (1990-93), sieben Jahre den Vorstandsvorsitzenden der ILGA-Europa (1997-2003)
  • Teilnahme an hunderten internationalen Konferenzen und Tagungen
  • Lobbying bei Europarat, OSZE, EU und UNO

 

Soziales & Geselliges
  • Seit 1980 Kommunikations- und Veranstaltungszentrum in der Novaragasse 40 in ehrenamtlicher Selbstverwaltung – im Durchschnitt 4-5mal pro Woche geöffnet – Treffpunkt, Anlaufstelle, Ort der Begegnung
  • Seit 1981 wöchentliche Treffen der Lesbengruppe, seit 1983 der Jugendgruppe
  • Seit 1991 Frauentanzabende und -kurse im HOSI-Zentrum
  • Seit 25 Jahren telefonische und persönliche Beratung
  • Hunderte Veranstaltungen und Feste im HOSI-Zentrum
  • Organisation des Regenbogen-Balls (seit 2004)

 

AIDS-Arbeit
  • Herausgabe der 1. AIDS-Info-Broschüre Europas (1983)
  • Mitarbeit an der 1. großen Studie in Europa zur HIV-Prävalenz unter Schwulen (1984/85)
  • Mitbegründung der Österreichischen AIDS-Hilfe (1985)
  • Jährliche AIDS-Info-Monate 1987-93
  • Gründung der „AIDS-Offensive“ (1991) und der (wöchentlichen) „Familienrunde“ (1997) – beide inzwischen eingestellt
  • Mitbegründung des NAMES Project Wien (1992)
  • Wöchentliches PosiHIVes Café im HOSI-Zentrum 1993-2000

 

Kultur & Bildung
  • Seit 1982 eigene Theatertruppe: „The HOSIsters“ – jährlich neue Produktion
  • Organisation mehrwöchiger Lesben- und Schwulen-Filmfestivals (1987-90 sowie 1993 und 1994)
  • Mehrere Ausstellungen im HOSI-Zentrum und auswärts, z. B. 2001 „Aus dem Leben“ am Heldenplatz in Wien
  • Mitarbeit an mehreren Filmprojekten sowie Realisierung des Films „Der HOSI-Clan“ (2000)
  • Organisation von bzw. Teilnahme an hunderten Veranstaltungen, Diskussionsrunden, Vorträgen etc. im HOSI-Zentrum und auswärt

 

Vernetzung

Von Anfang an versteht sich die HOSI Wien als Teil der Alternativbewegung bzw. Zivilgesellschaft und ist mit diesen, aber auch Jugendorganisationen u. a. stark vernetzt:

  • 1980 Teilnahme an den Festwochen alternativ: Verabschiedung des gemeinsamen Manifests „Für eine neue Liebesunordnung“
  • HOSI-MitarbeiterInnen im Vorstand der Initiative Minderheiten und der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung
  • Mitglied im Nationalkomitee sowie im NGO-Netzwerk zum UNO-Menschenrechtsjahr 1998 – Ausarbeitung des gemeinsamen „Forderungskatalogs österreichischer nichtstaatlicher Organisationen zur strukturellen Verankerung der Menschenrechte in Österreich“
  • Mitarbeit am Entwurf für ein österreichisches Antidiskriminierungsgesetz (1998-2001)
  • 2003 Mitarbeit an der Erstellung eines Leitbilds für die Initiative CSR (Corporate Social Responsibility) Austria – „Wirtschaftlicher Erfolg mit gesellschaftlicher Verantwortung“. Dank HOSI Wien verpflichten sich Österreichs Unternehmen laut diesem Leitbild, auch gegen Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung zu wirken.
  • 2004 Gründungsmitglied des Klagsverbands zur Durchsetzung der Rechte von Diskriminierungsopfern

 

(Dieser Beitrag erschien in den LAMBDA-Nachrichten 1/2005, S. 6 ff. Er dient hier zur Abrundung meiner Berichterstattung über die Arrangements der HOSI Wien zu ihren runden Jubiläen in meinem Blog-Beitrag vom 29. Jänner 2020).

 

 

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner