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Slowenien: Aufregung um Song Contest

Veröffentlicht am 12. April 2002
Erstmals traten 2002 Drag-Queens beim Eurovision Song Contest auf. Sestre vertraten Slowenien mit einem Coming-out-Lied („Nur die Liebe“). Allerdings löste der Vorentscheid Widerstand und einen kleinen Skandal aus. Auch die HOSI Wien beteiligte sich an der Protestkampagne gegen die Versuche, Sestre nicht zum ESC fahren zu lassen, wie ich in den LN 2/2002 berichtete.

Das Drag-Trio Sestre vertrat 2002 Slowenien beim Eurovision Song Contest in Tallinn.

Am 16. Februar 2002 gewann das Drag-Queen-Trio Sestre (Die Schwestern), bestehend aus Miss Marlenna, Daphne und Emperatrizz, die im Stewardessen-Outfit der 1960er Jahre auftraten und ein Coming-out-Lied sangen, die slowenische Vorentscheidung für den heurigen Grand Prix d’Eurovision de la Chanson, der am 25. Mai in Tallinn ausgetragen wird. Zwei Jurys und das Fernsehpublikum konnten entscheiden. Beim Televoting, bei dem Sestre nur auf den 2. Platz landeten, gab es Probleme und Unregelmäßigkeiten, weshalb es für ungültig erklärt wurde. Die beiden Jurys hatten hingegen den Song der drei Schwestern, Samo ljubezen („Nur die Liebe“), zum Siegerlied erkoren, weshalb Sestre zu den Gewinnern der slowenischen Vorentschiedung bestimmt wurden.

Dies löste heftige Reaktionen in der Öffentlichkeit aus. Es gab viele homophobe Kommentare in den Medien und Versuche, das Endergebnis umzustoßen und Sestre nicht nach Estland zu schicken. Die Sache wurde zu einem echten Politikum. Die slowenische Lesben- und Schwulenbewegung organisierte eine internationale Protestkampagne, und zahlreiche Organisationen, darunter die HOSI Wien, und Einzelpersonen in aller Welt protestierten bei Radiotelevizija Slovenija gegen die beabsichtigte Korrektur des Vorentscheids. Auch eine Abgeordnete des Europäischen Parlaments, die niederländische Liberale Lousewies van der Laan, kritisierte die homophoben Reaktionen in Hinblick auf Sloweniens EU-Beitritt.

Sestre, die ihre Karriere als Trio übrigens als Strumpantl Sisters (Strumpfband-Schwestern) begannen und ihren Namen extra für den Song Contest verkürzten, sind die ersten Drag-Queens beim Song Contest. 1997 startete mit Páll Óskar für Island der erste offen Schwule [vgl. LN 3/1997, S. 48 ff] und ein Jahr später mit Dana International für Israel die erste Transsexuelle beim Song Contest.

Das Lied der Sestre ist auch das erste Lied beim Eurovisionsschlagerfestival zum Thema Coming-out: Es gibt viele Möglichkeiten im Leben, such’ das Glück nicht, wo keines ist, sondern hör’ nur auf dein Herz. (…) Schau’ mir in die Augen und hör’ auf, dir Sorgen zu machen. Ich weiß, daß du genauso fühlst wie ich. Was du begehrst, ist keine Sünde. Es ist Liebe. (…) Wenn du mich anschaust, siehst du, was du bist. Du hast lange nach dem gesucht, was du für richtig hieltest. Aber letzten Endes wirst du dich nur für eines entscheiden – singen die Sestre.

Österreich entsendet dieses Jahr mit Manuel Ortega einen Sänger zum Grand Prix, der die Herzen der großen schwulen Fangemeinde des Festivals zweifellos höher schlagen lassen wird. Ortega hat sich allerdings bereits – auf diesbezügliche Anfrage im Kurier-Chat – zur Heterosexualität bekannt, freue sich aber über die schwulen Fans. Das Männerpaar Stermann & Grissemann verfehlte bei der österreichischen Vorausscheidung denkbar knapp das Ticket nach Tallinn.

 

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