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Zum 95. Geburtstag von Marie-Thérèse Escribano

LOSE SERIE: AUS DEM ARCHIV

Veröffentlicht am 23. März 2021

Marie-Thérèse Escribano (rechts) auf der Bühne des Amerlinghauses beim Gay-Pride-Fest der HOSI Wien 1982

Marie-Thérèse eröffnete am 3. März 1992 die Ausstellung zum „Nostalgie"-Monat im HOSI-Zentrum in der Novaragasse; neben ihr DIETER SCHMUTZER.

Marie-Thérèse auf der Bühne beim 20-Jahr-Geburtstagsfest der HOSI Wien im Wiener Rathaus

Am 19. März feierte die grandiose Sängerin und geniale Kabarettistin Marie-Thérèse Escribano ihren 95. Geburtstag. In den Anfangszeiten der HOSI Wien kreuzten sich deren Wege mit jenen der 1926 in Paris geborenen und seit 1955 in Wien lebenden Künstlerin. Ich habe daher ein bisschen im Archiv gekramt, um diese Begegnungen, an die sich ja nur die damals dabei Gewesenen erinnern, dem Dunkel der Zeitgeschichte zu entreißen. Dieser Beitrag soll kein Überblick über das Schaffen der Künstlerin sein. Wem Escribano kein Begriff ist, sollte sich schleunigst im Internet schlaumachen.

Am 8. November 1980 hatte LEO KELLERMANN im Amerlinghaus ein „Schwules Fest“ organisiert, bei dem Marie-Thérèse einen Teil des Showprogramms bestritt. RUDI KATZER beschrieb ihren Auftritt in den LN 3–4/1980 (S. 7) wie folgt: Ihr Publikum stand eng gedrückt, strahlend, lachend, johlend wie Kinder. Und Marie-Thérèse lachte auch – oft mitten im Lied. Ihre Unperfektion ist echt wie ihre Spontaneität und macht mir Freude. Ihre Lieder von Liebe, Leben und Leid, oft alte Schnulzen, leicht verändert („Eine kleine Zigarette“, „Gardeoffizier“) sind voll Witz und feiner Ironie und so engagiert wie ihre Texte und Sketches.

Am 26. Juni 1982 veranstaltete die HOSI Wien erstmals ein Fest aus Anlass des internationalen Gay Pride Day, und zwar im Amerlinghaus in Wien. Wieder stand Marie-Thérèse auf der Bühne des Kulturzentrums und gab ein musikalisches Kabarettprogramm zum Besten (vgl. LN 4/1982, S. 12 f). Im Anschluss an das Fest zogen die TeilnehmerInnen mit Fackeln zum Maria-Theresien-Platz – es war „Österreichs erste Gay Pride Parade“.

1984 spielte Marie-Thérèse übrigens auch im „Underground“-Film „Wiener Brut“ (vgl. LN 2/1985, S. 44) von HANS FÄDLER (1948–1987) mit. Sie mimte einen Würdenträger der katholischen Kirche. In einer Filmszene kriechen zwei Ministranten unter seine Soutane. Das war damals schon eine sehr deutliche Anspielung auf Kardinal Hans Hermann Groër (irgendwie sah sie ihm auch ähnlich), der rund ein Jahrzehnt später Protagonist im größten Missbrauchsskandal der katholischen Kirche Österreichs sein sollte (vgl. LN 1/1998, S. 26).

Am 3. März 1992 sorgte Marie-Thérèse für einen gelungenen Auftakt zum „Nostalgie“-Monat der HOSI Wien. Bei allerlei Aktivitäten wurden denkwürdige Ereignisse in der bis dahin dreizehnjährigen Geschichte des Vereins in Wort und Bild präsentiert – darunter anhand einer Foto-Ausstellung im HOSI-Zentrum in der Novaragasse (vgl. LN 2/1992, S. 9).

Am 18. März 2000 trat Marie-Thérèse bei der 20-Jahr-Geburtstagsfeier der HOSI Wien im Wiener Rathaus auf. Sie sei der HOSI Wien immer sehr verbunden gewesen und habe „natürlich auch bei diesem Jubiläum gleich spontan zugesagt“, ein Geburtstagsständchen beizutragen, schrieb CHRISTIAN HÖGL in seinem Fest-Bericht in den LN 2/2000, den ich hier auf meinem Website als Gastbeitrag mit vielen Fotos online gestellt habe.

 

1 Kommentar

  1. J

    Vor vielen, vielen Jahren hatte ich das Vergnuegen, M.J.E. auf der Buehne erleben zu duerfen. Sie war grossartig. Ihre Geschichte „ich will Priesterin werden“ ist mir noch in bester Erinnerung. Alles Gute zum 95er.

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