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Weg mit den Kreuzen in öffentlichen Räumen!

Veröffentlicht am 5. Februar 2020

Mag sein, dass das Kreuz auch ein geistes- und kulturgeschichtliches Symbol Europas ist, wie ÖVP und FPÖ in ihrer gestrigen Entrüstung über die in den Krankenzimmern eines öffentlichen Spitals (!) in Wien nicht vorgesehenen Kreuze betonen. Immerhin hat das Christentum die Geistes- und Kulturgeschichte Europas ja zumindest bis zur Aufklärung jahrhundertelang dominiert.

Aber dennoch ist und bleibt das Kreuz in erster Linie ein religiöses Symbol.

Und im Zeichen bzw. im Namen dieses Kreuzes wurden die größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte begangen! Man denke bloß an Inquisition, Hexenverbrennung, Missionierung/Versklavung in der dritten Welt, Kreuzzüge etc. Vor diesem Hintergrund muss völlig klar sein, dass die christlichen Kirchen heute nicht den geringsten moralischen Anspruch anmelden können, „ihr“ Territorium flächendeckend mit Kreuzen zu markieren und zuzukleistern – wie sie das mit größter Selbstverständlichkeit in der längst vergangenen „Blütezeit“ des Christentums vor der Aufklärung getan haben. Das Kreuz ist auch kein staatliches Symbol, jedenfalls keines der Republik Österreich. Daher besteht keinerlei Grund oder Veranlassung, dass staatliche Stellen irgendwo Kreuze anbringen.

Für mich als schwulen Atheisten ist das Kreuz vor allem das Symbol für die jahrhundertelange Verfolgung und Unterdrückung von Lesben und Schwulen im Namen des Christentums, die bis heute andauern. So mischt sich die röm.-kath. Kirche bis heute in staatliche Angelegenheiten ein, wenn es darum geht, Homosexuelle zu diskriminieren – aktuell etwa beim Levelling-up beim Schutz vor Diskriminierung.

 

Trennung von Kirche und Staat

Das Christentum wird übrigens wohl kaum darunter leiden oder gar verschwinden, wenn seine Symbole aus staatlichen Räumen entfernt werden, stehen doch genug Kirchen und andere religiöse Bauten in der Landschaft herum, ist unser Leben doch nach wie vor tief durchdrungen von dieser Religion. Den größten Schaden fügt sich die Kirche ja ohnehin selbst zu – durch ihre Scheinheiligkeit, die Missbrauchsskandale, ihre anachronistischen Strukturen und Dogmen u. a. m.

Österreich ist jedenfalls kein Gottesstaat. Es gilt daher, wehrhaft zu sein und den Einfluss der Kirchen und der Religion auf den säkularen Staat weiter zurückzudrängen und alle Versuche dieser Institutionen (und ihrer weltlichen Handlanger-Parteien), ihren Einfluss zu vergrößern, mit allem Nachdruck zurückzuweisen. Österreich darf nicht Polen werden!

Daher: Weg mit dem Kreuz (und erst recht mit dem Kruzifix) aus allen öffentlichen Einrichtungen!

 

PS: Hat es den Grünen schon wieder die Rede verschlagen? Oder denken sie gar nicht daran, für einen säkularen und laizistischen Staat öffentlich einzutreten?

 

Weitere Texte gegen religiösen Obskurantismus, Bigotterie und Religion ganz allgemein finden sich in einigen meiner LN-Kommentare – Übersicht hier. Als besonderes Zeitdokument ist in diesem Zusammenhang das Schreiben „Einige Anmerkungen bezüglich der Gesetzesvorschläge zur Nicht-Diskriminierung homosexueller Personen“ der vatikanischen Glaubenskongregation vom Juli 1992 zu erwähnen (vgl. Kolumne in den LN 4/1992). Es war wohl der letzte Versuch des Vatikans, auf die Gesetzgebung unabhängiger Staaten dermaßen unverschämt und unverhohlen Einfluss nehmen zu wollen. Er ist damit ja kläglich gescheitert. Es hat sich gezeigt, dass wir als Lesben und Schwule selbst vor einer Weltreligion und dem Vatikan nicht kapitulieren müssen!