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30 Jahre HOSI Wien – Der CSD vor der Regenbogenparade

Veröffentlicht am 17. Juli 2009
Im Rahmen der losen Serie „30 Jahre HOSI Wien“ gab ich in den LN 4/2009 einen Überblick über die Aktivitäten der Wiener Lesben- und Schwulenbewegung zum Christopher Street Day, bevor 1996 die Regenbogenparade ins Leben gerufen wurde.

Infostand in der U-Bahnpassage am Karlsplatz am 27. Juni 1981

Ein Walzer mit Kaiserin Maria Theresia bei der „Schwulenparade“ 1982,...

...an der aber bereits auch Frauen teilnahmen – hier im Bild HELGA PANKRATZ und WALTRAUD RIEGLER.

Die erste Gay-Pride-Demo bei Tageslicht – im Rahmen der „Warmen Woche" am 23. Juni 1984

Weltweit Urmutter aller „Aktionen Standesamt”: Am 30. Juni 1989 gaben sich im Rahmen der „Warmen Woche“ nach einem Hochzeitsumzug durch die Wiener Innenstadt ein Frauenpaar – ANNA-MARIA und JOLANTA –...

...und ein Männerpaar – MICHAEL und FRIEDL – am Graben in Wien das Ja-Wort.

Am 28. Juni 1991 wurde ein riesiger rosa Winkel am Stephansplatz in Wien ausgebreitet.

Am 29. Juni 1996 fand schließlich die erste Regenbogenparade in Wien statt. Die HOSI Wien war vorerst nur durch eine Fußtruppe vertreten.

Zudem wurden Quilt-Gedenktücher des „NAMES Project Wien" mitgetragen.

WALTRAUD RIEGLER und BARBARA FRÖHLICH

In unserer losen LN-Serie anlässlich des 30-jährigen Bestehens der HOSI Wien möchten wir diesmal die Aktivitäten zum CSD in Wien Revue passieren lassen. Diese begannen ja lange vor der Regenbogenparade, was ja immer wieder vergessen wird – auch jüngst wieder in einschlägigen Publikationen wie Stonewall in Wien 1969–2009 (siehe auch S. 18). Die erste Parade fand bereits 1982 statt, sie hieß auch so, zwar nicht Regenbogenparade, aber immerhin „Schwulenparade“. Und im Juni 1984 gab es erstmals eine Gay-Pride-Demo durch die Wiener Innenstadt.

Zwölf Jahre nach dem „Stonewall“-Aufstand fand die erste Aktion in Erinnerung an diese Ereignisse in der New Yorker Christopher Street statt, allerdings recht bescheiden: Die gerade einmal zwei Jahre bestehende HOSI Wien stellte trotz des damals noch existierenden Verbots der „Werbung“ für Homosexualität am 27. Juni 1981 einen Vormittag lang einen Informationsstand in der stark frequentierten Opernpassage auf [vgl. LN 3–4/1981, S.13].

 

Erste Parade 1982

1982 gab’s dann am 26. Juni immerhin bereits ein sechs Stunden dauerndes Fest im Amerlinghaus, bei dem u. a. Marie-Thérèse Escribano und die HOSIsters auftraten, sowie einen ersten – inoffiziellen – Gay-Pride-Umzug im öffentlichen Raum: Rund 100 Personen spazierten vom Amerlinghaus zum Maria-Theresia-Denkmal am Ring, wo die Kaiserin höchstselbst vom Sockel stieg, ihr Gesetz gegen „das abscheuliche Laster der Unkeuschheit wider die Natur, oder sodomitische Sünd“ aus 1768 verlas, um danach mit dem damaligen HOSI-Wien-Obmann WOLFGANG FÖRSTER einen Walzer zu tanzen [vgl. LN 4/1982, S. 12 f; mehr Fotos hier].

Offiziell pausierte der CSD 1983 in Wien. Zahlreiche Aktivitäten im Juni und Juli standen vielmehr ganz im Zeichen der Vorbereitung und Durchführung der 5. Weltkonferenz der International Gay Association, die im Juli in der Bundeshauptstadt stattfand [vgl. LN 4/1983, S. 3 ff]. An den Universitäten fanden vom 13. bis 19. Juni mehrere Veranstaltungen unter dem Titel „Schwulen- und Lesbentage ’83“ statt [vgl. LN 2–3/1983, S.11].

1984 gab es dann die erste „Warme Woche“, deren Programmpunkte sich eigentlich über zwei Wochen erstreckten und die gemeinsam von einer Plattform verschiedener schwul/lesbischer Gruppen veranstaltet wurden. Und am 23. Juni gab es dann die erste echte Gay-Pride-Demo, die Vorläuferin der späteren Regenbogenparade: Rund 300 DemonstrantInnen zogen mit Transparenten über die Kärntner Straße [vgl. LN 3/1984, S. 8 f].

1985 beschränkten sich die CSD-Aktivitäten auf ein „Gay Pride Night Stonewall“-Fest am 29. Juni im HOSI-Zentrum [vgl. LN 3/1985, S. 8].

Ab 1986 wurde die „Warme Woche“ dann zum – fast – jährlichen Fixpunkt, allerdings mit unterschiedlichem Input und Erfolg. Während sich 1986 wieder ein Demonstrationszug über Kärntner Straße und Graben bewegte [vgl. LN 4/1986, S.11 f], fand die Kundgebung im Rahmen der „Warmen Woche“ 1987 mangels TeilnehmerInnen nicht statt [vgl. LN 3/1987, S. 5 f].

 

1989 – Urmutter aller „Aktionen Standesamt“

Nach einem Tief 1988, als die „WW“ auf ein Wochenende und ein Sommerfest im HOSI-Zentrum schrumpfte [vgl. LN 3/1988, S. 18], wurde sie 1989 fulminanter denn je, galt es doch 20 Jahre Stonewall und zehn Jahre HOSI Wien zu feiern. Die HOSI Wien gab aus diesem Anlass ihr zweites Buch – „Homosexualität in Österreich“ – heraus, das bei einer Jubiläumssoiree im frisch renovierten HOSI-Zentrum präsentiert wurde. Am 30. Juni fand schließlich der legendäre schwul/lesbische Hochzeitsumzug durch die Innenstadt samt Trauung eines schwulen und eines lesbischen Paares statt: Es war dies die „Urmutter“ der „Aktionen Standesamt“, wie sie später in vielen Ländern durchgeführt wurden. Der ORF stellte sich mit einem „Inlandsreport“ und einem „Club 2“ zum Thema ein [vgl. LN 3/1989, S. 6 ff]. Zwei Wochen später fand dann zum zweiten Mal der Weltkongress der International Lesbian and Gay Association in Wien statt [vgl. LN 4/1989, S. 13 ff].

1990, gab’s dann wieder einen Durchhänger. Die HOSI Wien beschränkte ihre Aktivitäten auf ein Fest im HOSI-Zentrum und ein Lesben-Fußballmatch im Prater [vgl. LN 3/1990, S. 23].

1991 wurde die „Warme Woche“ auf „Lesbisch-Schwule Festwoche“ umgetauft. An neun Tagen boten Rosa Lila Villa, HuK und HOSI Wien ein abwechslungsreiches Programm, dessen Höhepunkt am 28. Juni ein Festzug mit Transparenten durch die Kärntner Straße war. Daran anschließend wurde der mit 24 Meter Seitenlänge wohl größte „rosa Winkel“ der Welt auf dem Stephansplatz ausgebreitet und darunter zu Walzerklängen getanzt [vgl. LN 3/1991, S. 31 ff; mehr Fotos hier].

Auch 1992 gab’s eine von mehreren Gruppen organisierte Festwoche samt Demo durch die Innenstadt [vgl. LN 3/1992, S. 39].

1993 lief das Programm der CSD-Aktivitäten über zwei Wochen [vgl. LN 3/1993, S. 37 f]., Parade gab es in diesem Jahr jedoch keine – Lesben und Schwule schlossen sich dem „Zug der Kulturen“ an, der anlässlich der in Wien tagenden UNO-Weltkonferenz über Menschenrechte organisiert wurde [vgl. LN 3/1993, S. 48 ff].

1994 und 1995 gab es keine Aktivitäten zum CSD in Wien. Diese schöpferische Pause war wahrscheinlich notwendig, damit dann 1996 die Regenbogenparade so erfolgreich aus der Taufe gehoben werden konnte.

 

Die Regenbogenparade

Am 29. Juni 1996 fand die erste Regenbogenparade statt [vgl. LN 4/1996, S. 8 ff]. Mit ihr stießen die CSD-Aktivitäten in Wien in neue, nie dagewesene Dimensionen vor, nicht zuletzt aufgrund der geschätzten 25.000 TeilnehmerInnen und der prestigeträchtigen Route über die Ringstraße. Wien stieg damit in eine neue Liga auf. Die Regenbogenparade wurde von einem engagierten Team, das zu diesem Zweck einen eigenen (CSD-)Verein gegründet hatte, in monatelanger Vorbereitungsarbeit organisiert.

Seit 1996 ist die Parade ein fixer Höhepunkt im LSBT-Eventkalender der Stadt, ja des ganzen Landes. Jedes Jahr ist die Zahl der TeilnehmerInnen angestiegen, wobei sie allerdings 2001 ein einmaliges Allzeithoch erreichte. Für jenes Jahr hatte die Regenbogenparade auch den Titel EuroPride erhalten und lockte dadurch viele TeilnehmerInnen aus dem Ausland an.

EuroPride führte auch zu besonderen Anstrengungen vieler heimischer Gruppen, und so gab es den ganzen Juni über ein umfangreiches Programm mit zahlreichen Veranstaltungen [vgl. LN 3/2001, S. 12 ff]. Die HOSI Wien zeigte u. a. am Heldenplatz die Ausstellung „Aus dem Leben. Die nationalsozialistische Verfolgung der Homosexuellen in Wien 1938–45“. Zum ersten Mal waren auch die Garnituren aller Straßenbahnlinien den ganzen Juni mit Regenbogenfahnen geschmückt. Die Parade am 30. Juni brachte dann nicht nur 99 Gruppen aus über 20 Ländern auf die Ringstraße und den Heldenplatz, sondern auch eine Viertelmillion TeilnehmerInnen und ZuschauerInnen [vgl. LN Special 3/2001, S. IV ff].

Nach dem EuroPride-Höhepunkt zog sich der altbewährte CSD-Vorstand zurück, die NachfolgerInnen konnten aber die Erfolgsgeschichte nicht fortführen. 2003 sprang die HOSI Wien für den in Schwierigkeiten geratenen CSD-Verein ein und übernahm kurzfristig die Organisation der Regenbogenparade. Seither hat die HOSI Wien die Parade sieben Mal mit großem Erfolg durchgeführt.

 

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