Schwerpunktthema: Gendern

Bekanntlich bin ich – aus sprachlichen und ideologischen Gründen – ein vehementer Gegner des erweiterten Genderns mit Sternchen oder Unterstrich. Das habe ich mehrfach in den LN begründet, erstmals in der Ausgabe 2/2012 (Sprachpolizei“), dann nochmals sehr ausführlich in der Ausgabe 5/2014 in einem Beitrag („Gequeerlte Scheiße*“), der eine in der Ausgabe 1/2015 weitergeführte Debatte auslöste.

Die Diskussion innerhalb der HOSI Wien ging noch zwei Jahre weiter und spitzte sich auf der Generalversammlung 2016 zu, der ein Antrag auf diese Art des Genderns jenseits der männlich/weiblichen Form vorlag. Schon damals habe ich erklärt, eine weitere Mitarbeit in einer HOSI Wien, die diesen sprachlichen und ideologischen Unfug mitmacht, wäre für mich völlig undenkbar, und für den Fall, dass der Antrag eine Mehrheit findet, meinen Rückzug aus dem Verein angekündigt – siehe Ausgabe 1/2016, („Gegen den (Unter-)Strich“).

Der Antrag fand auf der GV nicht die nötige Mehrheit. In der Ausgabe 2/2016 („Gendern – aber richtig!“) ging ich dann nochmals im Detail auf die sprachlichen Argumente ein.

Im März 2018 fasste eine Mehrheit des Vorstands überfallsartig und statutenwidrig den Beschluss, die Gender-Schreibweise in jener Form einzuführen,  die von der GV 2016 abgelehnt worden war. Dies veranlasste

 

CHRISTIAN HÖGL, der in 30 Jahren Engagement für den Verein, davon 22 Jahre als Obmann, wesentlich dazu beigetragen hat, die HOSI Wien zu der Erfolgsgeschichte zu machen, die sie im März 2018 war, als Obmann zurückzutreten.

Keine inhaltliche Auseinandersetzung

Auf der GV 2018 wurde dann der Antrag auf Verwendung der Schreibweise mit Sternchen oder Unterstrich angenommen. Ich machte selbstverständlich meine Absicht und Ankündigung wahr und trat aus dem Verein aus. Ich kann einen Verein nicht ernst nehmen, der dermaßen irrational handelt. Die Entscheidung, besagte Gender-Schreibweise einzuführen, wurde ja nicht aufgrund rationaler Überlegungen, objektiver Argumente oder meinetwegen persönlicher Überzeugung (zumindest nicht bei allen) getroffen, sondern weil man dem autoritären Druck einer Gruppe nachgegeben hat. Und das ist für mich genauso anti-aufklärerisches Obskurantentum wie Esoterik oder Religion: Man blendet die Realität (in diesem Fall die sprachliche) einfach aus und ersetzt sie durch irrationale Dogmen und Doktrinen.

Vereinsintern wurde die Debatte ja nie sprachlich oder inhaltlich geführt, sondern immer nur „politisch“ – und da leider auch nur in populistischer und opportunistischer Reinkultur, was indes ganz der derzeitigen politischen Großwetterlage entspricht. Es hat sich dabei 

Die Debatte über neue Formen des Genderns ist ideologisch verbohrt und ziellos…

auch gezeigt, dass viele der AkteurInnen wenig Ahnung vom sprachlichen Gendern haben und sich offenbar nicht einmal ernsthaft mit dem korrekten Männlich-weiblich-Gendern beschäftigt haben. Und dann tut man sich natürlich auch mit den Sternchen und Unterstrichen schwer, wie man leider in den aktuellen Texten der HOSI Wien oder auch in der Lambda feststellen muss.

Ich kann niemanden ernst nehmen, der/die wirklich glaubt, das Bewusstsein von Menschen zu ändern, indem man jeden Text einfach mit Sternchen oder Unterstrichen zumüllt. Das ist sprach-esoterischer Voodoo. Erinnert mich an den aktuellen verzweifelten Versuch, die negative Stimmung gegen Flüchtlinge dadurch zu drehen, dass man sie jetzt nur mehr „Geflüchtete“ nennt, weil angeblich der Begriff „Flüchtling“ so negativ besetzt sei (Wieso behauptet man das eigentlich? Für mich ist das eher eine selbsterfüllende Prophezeiung.). Diese Leute glauben, man brauche nur den Begriff auszutauschen und schon wird alles wieder gut. Und dann müssen alle bei dieser Oberflächenkosmetik und Symptombekämpfung mitmachen, um sich in der eigenen Blase gegenseitig zufrieden auf die Schulter klopfen zu können, auch wenn sie skeptisch sind. Wehe, wenn man da dem Gruppendruck nicht nachgibt!

Diese jetzt überall grassierende neue Irrationalität äußerst sich ja auch darin, dass man die neue Schreibweise als „geschlechtergerecht“ bezeichnet, obwohl sie es objektiv überhaupt nicht ist – etwa, wenn man Formen wie „Zeug*in“ verwendet. Hier fällt die männliche Form einfach unter den Tisch, denn diese lautet ja nicht „Zeug“, sondern „Zeuge“. Was, bitte, soll daran geschlechtergerecht sein? Aber selbst so offensichtliche Beispiele prallen an den VerfechterInnen dieser Schreibweise ab. Man verweigert einfach die inhaltliche Diskussion und besteht diktatorisch auf der eigenen Irrationalität.

 

Keine Zukunft für Stern und Unterstrich

Im November 2018 hat sich der Rat für deutsche Rechtschreibung mit der Sache befasst. In dem Zusammenhang hat mich amüsiert, wie selbst sogenannte Qualitätsmedien überhaupt nicht verstanden haben,

warum es eigentlich geht, was mit dem Sternchen oder Unterstrich ausgedrückt werden soll. Einige haben das in der Tat bloß als Ersatz des Binnen-I fürs Männlich-weiblich-Gendern missverstanden! Was einmal mehr beweist: Was man nicht (aus-)schreiben kann, wird nicht verstanden. Und angesichts der Tatsache, dass ohnehin ein Viertel der ÖsterreicherInnen funktionale AnalphabetInnen sind, muss man wohl davon ausgehen, dass die vielen Sternchen und Unterstriche kaum so verstanden werden, wie sie gemeint sind. Andererseits kommt das Sternchen eventuell dem zunehmenden Emoji-Analphabetismus entgegen (die Leute können sich nur mehr mit Symbolen ausdrücken, aber nicht mehr schreiben). In den Comics-Sprechblasen kann man das ja meinetwegen machen.

Bei besagter Sitzung im November 2018 hat der Rat für deutsche Rechtschreibung zwar keine konkrete Anleitung oder genaueren Empfehlungen für den geschlechtergerechten Umgang mit Sprache abgegeben, aber an seine im Juni 2018 aufgestellten Kriterien erinnert: Demnach soll die geschriebene und gesprochene Sprache verständlich, sachlich, lesbar und vorlesbar sowie eindeutig sein. Wenn es dabei bleibt, sind Sternchen und Unterstrich damit gestorben, weil sie keine adäquate Lösung darstellen. Verständlich und vorlesbar sind sie ja wohl nicht.

Und eindeutig schon gar nicht: Wenn die HOSI Wien etwa ein/e „Kellner*in“ sucht, ist es nicht eindeutig, ob nur eine genderfluide/queere Person gesucht wird oder sich auch ein Mann oder eine Frau erfolgreich bewerben könnte. Da es keine ausschließlich genderfluide bzw. queere Form gibt, kann man bei dieser Form immer nur darüber spekulieren, ob ein Mann oder eine Frau eh mitgemeint ist. Dasselbe gilt für die Pluralformen mit Sternchen oder Unterstrich: Bei „Aktivist*innen“ oder „Aktivist_innen“ weiß man nie, ob diese Form nur Personen umfasst, die weder weiblich noch männlich sind bzw. sein wollen, oder ob Männer und Frauen gnädig mitgemeint sind.

Ich habe jedenfalls aufgehört, Texte zu lesen, in denen diese Schreibweise verwendet wird. Ich halte sie nicht nur für eine Bevormundung und intellektuelle Zumutung, sondern auch für eine totalitäre Anmaßung.