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Eingetragene Partnerschaft weiterhin beliebt

Veröffentlicht am 26. Dezember 2019

Die statistischen Zahlen zur Ehe und eingetragenen Partnerschaft (EP) für die ersten drei Quartale 2019 zeigen, dass sich die eingetragene Partnerschaft bei Lesben und Schwulen auch nach Öffnung der Ehe weiterhin großer Beliebtheit erfreut. Dies unterstreicht einmal mehr, wie vorausschauend und richtig die innerhalb der österreichischen Lesben- und Schwulenbewegung ziemlich einsame und auch umstrittene Haltung der HOSI Wien war, die eingetragene Partnerschaft jedenfalls zu verteidigen – auch bei Öffnung der Ehe und trotz aller Anfeindungen eines Teils der Bewegung und der Community.

Wie das Ö1-Morgenjournal heute unter Berufung auf die Statistik Austria berichtete, haben in den ersten neun Monaten dieses Jahres 860 homosexuelle Paare die neue Möglichkeit der Eheschließung genutzt, wobei 162 davon Umwandlungen von bereits bestehenden eingetragenen Partnerschaften in eine Ehe waren.

Dass bisher nur 162 eingetragene Paare ihre Partnerschaft in eine Ehe umwandeln ließen, überrascht auch mich sehr. In den neun Jahren von Jänner 2010 bis Dezember 2018, in denen gleichgeschlechtlichen Paaren nur die EP offenstand, die Möglichkeit einer Eheschließung jedoch verwehrt war, wurden ja einige tausend EP in Österreich geschlossen. Daraus folgt offensichtlich, dass die Leute mit der EP als modernerem Rechtsinstitut des 21. Jahrhunderts durchaus zufrieden sind und die Ehe aus dem 19. Jahrhundert nicht sonderlich attraktiv finden.

Bei den neuen Ehe- und EP-Schließungen steht das Verhältnis 7 zu 1. Den 698 „neu“ geschlossenen gleichgeschlechtlichen Ehen stehen immerhin 110 eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaften gegenüber, die in den ersten drei Quartalen 2019 geschlossen wurden.

Interessant ist auch, dass sich heterosexuelle Paare durchaus mit einer EP anfreunden können. 848 verschiedengeschlechtliche Paare haben ihre Partnerschaft eintragen lassen. Im Vergleich zu den von Jänner bis September 2019 geschlossenen verschiedengeschlechtlichen Ehen (insgesamt 36.901) ist das allerdings ein sehr niedriger Anteil (rund 2,3 %).

 

Minderheitenprogramm

Insgesamt unterstreichen die Zahlen neuerlich einen Aspekt, den ich immer betont habe – und wofür ich ebenfalls oft kritisiert wurde: Beziehungen staatlich absegnen zu lassen ist unter Lesben und Schwulen ein ziemliches Minderheitenprogramm. Den 37.749 heterosexuellen Ehe- und EP-Schließungen stehen 808 homosexuelle gegenüber. Selbst wenn man den Anteil der homosexuellen Bevölkerung konservativ bei fünf Prozent an der Gesamtbevölkerung ansetzte, würde dies im Vergleich zur heterosexuellen Bevölkerung immerhin fast 1900 homosexuelle EP- und Eheschließungen bedeuten, also mehr als doppelt so viele. Und rechnete man mit den sonst üblichen zehn Prozent, dann würde dies bedeuten, dass Heterosexuelle sogar fast fünfmal häufiger ihre Beziehung staatlich absegnen lassen als Homosexuelle.