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Österreichische AIDS-Hilfe gegründet

Veröffentlicht am 9. Oktober 1985
Im August 1985 wurde die Österreichische AIDS-Hilfe (ÖAH) gegründet. Die Initiative dazu ging von der HOSI Wien aus. Sie fand dabei tatkräftige Unterstützung durch das damals von Kurt Steyrer (1920–2007) von der SPÖ geführte Gesundheitsministerium. Ich berichtete in den LN 4/1985 über die Gründung – hier leicht gekürzt.

Die erste Informationsbroschüre der Österreichischen AIDS-Hilfe (ÖAH), herausgegeben im September 1985, ein Monat nach Gründung. Das Redaktionsteam bestand aus REINHARDT BRANDSTÄTTER, Judith Hutterer, LEO KELLERMANN und Kurt Krickler.

Am 29. August 1985 fand die konstituierende Generalversammlung der Österreichischen AIDS-Hilfe statt.

Die Idee zu dieser Einrichtung wurde in der HOSI Wien geboren. Nach Gesprächen und Verhandlungen und der Vorlage eines Projektpapiers im Bundesministerium für Gesundheit und Umweltschutz durch den HOSI-Wien-Obmann [Reinhardt Brandstätter, 1952–1992] wurden die Modalitäten der Gründung dieses gemeinnützigen Vereins vereinbart. Die zuständigen Beamten des Ministeriums erwiesen sich als äußerst wohlwollend der Idee gegenüber und als im höchsten Maße kooperativ. Als Gesundheitsminister Kurt Steyrer auch noch die finanzielle Unterstützung des zu gründenden Vereins zusagte, stand der Verwirklichung des Projekts nichts mehr im Wege.

Für 1985 hat Bundesminister Steyrer eine Förderung von einer Million Schilling zugesagt, für 1986 wurden drei Millionen für die Arbeit der AIDS-Hilfe in Aussicht gestellt. Eine Aufstockung im Mehrbedarfsfall ist jedoch nicht ausgeschlossen.

Dem Vorstand der AIDS-Hilfe gehören folgende Personen an: Dr. Helga Halbich, Leiterin des Epidemiologischen Abteilung im BMfGuU, als Präsidentin, Dr. REINHARDT BRANDSTÄTTER als geschäftsführender 2. Präsident, Dr. Judith Hutterer, die österreichische AIDS-Expertin und Oberärztin im Krankenhaus Lainz, als 3. Präsidentin, Dr. Ingried Erlacher, Leiterin der Drogenabteilung im Ministerium, als Schriftführerin und HENNING DOPSCH als Kassier. Rechnungsprüfer des Vereins sind JOHANNES WEIDINGER und Mag. Gernot Spanninger, Jurist im BMfGuU.

Über die Aufgaben der Österreichischen AIDS-Hilfe gibt ihre neue Informationsbroschüre, das erste konkrete Ergebnis ihrer Arbeit, Auskunft.

Während sich die Zusammenarbeit der AIDS-Hilfe mit dem Ministerium auf vorbildliche Weise gestaltet, zeigte sich die Gemeinde Wien nicht so kooperativ. Gesundheitsstadtrat Alois Stacher [1925–2013] z. B. lehnte es kategorisch ab, der Österreichischen AIDS-Hilfe Räumlichkeiten in einem Wohnhaus oder Amtsgebäude der Stadt Wien zu überlassen, weil er Bürgerinitiativen der Nachbarn und Anrainer gegen dieses Vorhaben fürchtet. Und das wollte er nicht in Kauf nehmen. Als „Alternative“ bot er der AIDS-Hilfe Räumlichkeiten im Wilhelminenspital und im Franz-Josefs-Spital an. Beide Objekte waren, abgesehen von der negativen Optik, eine Beratungsstelle in ein Spital – noch dazu an der Peripherie der Stadt – zu verlegen, auch zu klein bzw. in einem Zustand, der mehrmonatige und kostspielige Umbauarbeiten erforderlich gemacht hätte. Geld scheint aber für die Gemeinde Wien keine Rolle zu spielen, wenn es darum geht, Unpopuläres irgendwohin abzuschieben.

Die Beschaffung der Räumlichkeiten verzögerte sich jedenfalls durch das Hin und Her mit der Stadt Wien um vierzehn Tage. Jetzt hat die AIDS-Hilfe in Wien auf dem privaten Markt geeignete Räume angemietet.

Auch wenn die Gründung der Österreichischen AIDS-Hilfe (ÖAH) auf eine Initiative der HOSI Wien zurückgeht, ist der Verein für alle da und keine rein schwule Institution.

 

Nachträgliche Anmerkungen:

Ein drängender Umstand für die Gründung der ÖAH war eine anonyme HIV-Antikörper-Studie unter homosexuellen Männern, an der die HOSI Wien in den ersten drei Monaten des Jahres 1985 mitgearbeitet hatte. Unter den 318 Probanden waren schließlich 68 HIV-Positive (21,4 %). Einerseits mussten diese Personen entsprechend psychosozial weiterbetreut werden, andererseits war klar, dass die Nachfrage nach anonymer HIV-Antikörpertestung unter schwulen Männern weiterbestehen würde. Diese Tätigkeiten konnte die HOSI Wien nicht bewerkstelligen. Eine eigene Infrastruktur musste dafür errichtet werden. Über allgemeine Entwicklungen in Sachen AIDS berichtete ich damals regelmäßig in den LN, etwa in der Ausgabe 1/1985, S. 24 ff, über die erwähnte Studie speziell in den LN 2/1985, S.5 f, und 3/1985, S. 11 ff.

Über die Eröffnung der ersten Beratungsstelle der ÖAH in Wien am 28. November 1985 berichtete ich in den LN 1/1986, S. 24 ff.

 

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